FAUSTBALL IM VfB STUTTGART - eine Abteilung mit Tradition


Die Faustballabteilung des VfB Stuttgart existiert seit dem Jahr 1937. Ehemalige Spieler der sogenannten "Goldenen Elf", Mitglieder des früheren Cannstatter Kronenklubs, trafen sich nach ihrer aktiven Zeit, wohl als Ausgleich zum Fußball, allwöchentlich zum gemütlichen Faustballmatch. Die weite Rasenfläche am Neckarufer bot dazu hinreichend Gelegenheit. Schon bald begann ein ordnungsgemäßer Spielbetrieb, um den sich besonders Paul Seeger bemühte, damals 2. Vorsitzender des VfB und 30 Jahre lang die Galionsfigur der Faustballabteilung. Bis 1943 spielte man im Turngau. Doch die Nöte wuchsen mit zunehmender Kriegsdauer. Oft fehlte selbst Wasser. 79 Sprengbomben, die eigentlich den Daimler Werken galten, besiegelten das endgültige Aus. Bereits 1946 wurde aber wieder trainiert. Erster Höhepunkt: Die Württembergische Meisterschaft in der Altersklasse I beim Schwäbischen Turnfest 1950 in Aalen. Allerdings dauerte es dann eine ganze Weile bis 1968 ein VfB-Team an Württembergischen Feld- und Hallenmeisterschaften teilnahm und jeweils den 3. Rang belegte.


Bild 1: Die aktuelle Mannschaft der M45 des VfB


Als man 1962 zum 25. Jubiläum rief, eröffneten sich mit zwei spielstarken Mannschaften, M II und M III, erfolgsversprechende Perspektiven. In der Tat gelang der Parademannschaft MIII souverän der Aufstieg in die Verbandsliga, weil endlich, auch über Jahre hinweg, ein Schlagmann von Güte mitwirkte. Wo solcher König fehlt, sammelt man die prägende Erfahrung, nur Hausmannskost bieten zu können. Um den Faustballsport beim VfB zu fördern, wurde eine ungewöhnliche Idee verwirklicht. Am 3. 5. 1980 fand vor dem Schlagerspiel VfB - HSV vor 30 000 Zuschauer ein Faustballvergleich zwischen dem Deutschen Meister und amtierenden Europapokalsieger MTV Stuttgart und einer verstärkten VfB-Mannschaft statt. Der VfB nominierte dabei Spieler, deren Väter allesamt beim VfB dem Faustball nachgingen. Die Zuschauer waren restlos begeistert von der Faustball-Lektion. Darüber hinaus spielte ein sogen. VfB- Propagandateam bei stark besetzten offenen Turnieren, um wieder Glanzpunkte und Nachwuchsförderung für die Abteilung zu bilden.


Bild 2: Die aktuelle Mannschaft der M55 des VfB, die Gastgeber der DM


Die Herausforderung, Meisterschaften auszurichten, ergab sich erstmals 1993 mit den württembergischen Titelkämpfen der Senioren. 4 Jahre später im Jahr 1997, als die Abteilung 60 Geburtstagskerzen aufsteckten und die Süddeutschen Meisterschaften ausrichteten, konnte sich der VfB sowohl sportlich wie auch organisatorisch bewähren. Bestärkt durch die positiven Erfahrungen war die Faustabteilung im Jahr 1999 Ausrichter der Deutschen Seniorenmeisterschaft auf dem Feld, mit 40 teilnehmenden Mannschaft ein organisatorischer Kraftakt. Sicherlich der gesellschaftliche Höhepunkt der bisherigen Geschichte der VfB-Faustballer.

Der sportliche Höhepunkt kam dann 5 Jahre später. In den 90er Jahren schrieben die Spieler der M30 mit zahlreichen errungenen Meistertiteln in Württemberg und Süddeutschland das erfolgreichste Kapitel. Auf Bundesebene war leider nur der undankbare 4. Platz, der gleich mehrmals erreicht wurde, der größte Erfolg. Nach Abklingen der Erfolgskurve der M30 trat dann im Jahr 2004 eine neu formierte M50 des VfB an, um sportlich neu durchzustarten. Auf Anhieb wurde die Mannschaft in Berlin Deutscher Meister. Dieser Erfolg konnte in Folgezeit sogar noch 3 mal wiederholt werden. Das letzte Mal bei der Feldmeisterschaft 2006 in Dresden. Leider wurde die erfolgreiche Mannschaft danach durch die neue Altersklassenregelung aufgeteilt in die neuen Altersklassen M45 und M55. Mit der neuen M55 und auch mit der M45 nahm man zwar auch danach noch regelmäßig bei Deutschen Meisterschaften teil, der große Erfolg blieb aber seitdem verwehrt. Mal sehen, ob es dieses Mal vor heimischer Kulisse nach dem 5. Platz im vergangenen Jahr wieder zu etwas mehr und zu einem Medaillenplatz reicht.

Aktuell gibt es drei aktive Mannschaften beim VfB, M45, M55 und eine M60. Wir sind stolz auf die eigene traditionsreiche Geschichte. Auch in mitunter wechselvollen Zeiten blieb Faustball - trotz der Reputation des Fußballs im VfB - wichtiger und wertvoller Bestandteil im Geschehen des Hauptvereins. Nach der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft der M60 zum 70. Jubiläum vor 2 Jahren, der Süddeutschen Meisterschaft der M45 im vergangenen Jahr, folgt jetzt mit der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft der M55 die dritte Großveranstaltung in Folge und damit die nächste organisatorische Herausforderung. Vielleicht gelingt es dem Gastgeber, außer einer erfolgreichen Durchführung der Meisterschaft, noch einen sportlichen Höhepunkt hinzuzufügen.


Bild 3: Die M60 des VfB

 

Die Stationen des Erfolgs:

M 30:

Fünfmal Süddeutscher Meister, viermal Vizemeister Süd
Viermal 4. Platz bei Deutschen Meisterschaften

M 50:

Viermal Deutscher Meister, einmal 4. Platz bei Deutschen Meisterschaften
Dreimal Süddeutscher Meister, einmal Vizemeister Süd

M 55:

Zweimal 5. Platz bei Deutschen Meisterschaften


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